Mobilität


 

Mobilität in der Altstadt

 

In den letzten Monaten ist das Thema Mobilität, bedingt durch Dieselskandal, Luftbelastung, Staus und Parkplatznot sowie die Alternativen Radverkehr, E-Autos-und E-Räder, in die Diskussion gekommen. In dem Zusammenhang wird auch generell über die Verwendung des Öffentlichen Raums in der Stadt diskutiert. Das Thema Nachverdichtung ist ein Parallelthema. Insbesondere in der Innenstadt treten Zielkonflikte auf; das gilt für Nürnberg, aber auch für Fürth in der Hornschuhpromenade. Diese Zielkonflikte versucht unser Autor in einem Pro und Contra abhandeln:

Contra motormobile Stadt

Die enge, mittelalterliche, touristisch frequentierte Altstadt hat begrenzte Kapazität für die Gattungen Fußgänger, Radfahrer, Autoverkehr. Es wird Raum für Parken, Abstellplätze und Freizeitbetätigung benötigt. Aktuell läuft das Projekt „Altstadt ans Wasser“, wofür auch Platzbedarf anfällt. Der Radwegeausbau braucht ebenfalls Wegefläche. Und Nürnberg wächst an Einwohnern und damit auch Verkehr und Infrastruktur. Eine Zunahme ist auch beim Lieferverkehr durch den Internethandel und seine Auslieferung feststellbar. Tiefgaragen, wie unter der Insel Schütt reduzieren den Verkehr zwar nicht, schaffen aber Parkraum. Daher wollen viele den Pkw-Verkehr reduzieren oder aus der Altstadt drängen und durch car-sharing, Lastenfahrräder, Anlieferstationen und ÖPNV ersetzen. Die freiwerdenden Flächen kann man für Radwege, Fussgängerzonen und Freizeitflächen an der Pegnitz nutzen.  Am Nägeleinsplatz läuft eine Machbarkeitsstudie unter Bürgerbeteiligung, am Kontumazgarten und an der Insel Schütt gibt es bereits einen Zugang zur Pegnitz, wie auch an der Liebesinsel.  Am Augustinerhof wird ebenfalls eine Treppe zum Fluss gebaut werden.

Pro motormobile Stadt

Eine Altstadt ohne motorisierten Verkehr ist für viele Händler, Gewerbetreibende und Anwohner nicht oder nur schwer vorstellbar. Trotz zunehmendem Internethandel braucht es Warenanlieferung für Geschäfte, Restaurants, Hotels und die Selbstversorgung der Anwohner. Diese haben zwar eine Bewohnerparkregelung, die aber zeitlich und räumlich beschränkt ist und lange nicht die Nachfrage deckt. Sie haben, anders als Pendler mit der Alternative Park& Ride, überhaupt keine Möglichkeit, ihre Pkw abzustellen. Die Folge ist langer Suchverkehr. Parkhäuser sind für Dauerparker zu teuer. Mögliche Maßnahmen sind Einfahrtbegrenzungen in die Altstadt für Pendler und Touristen sowie Subventionierungen der Parkkosten für Anwohner, wie es Frankfurt praktiziert. Reine Gebührenregelungen, wie Citymaut, hohe Parkgebühren oder Einfahrtsrechte nach geraden/ungeraden Nummernschildern usw.  wären unsozial.

Fazit

Wie in der großen Politik: Ein „weiter so“ kann es nur bedingt geben. Man muss zielgruppengerecht und zeitlich gestaffelt vorgehen. So dürfen z.B. mehr Möglichkeiten für die eine Gruppe nicht zu Lasten der anderen gehen, Thema Nachtruhe oder unsoziale Gebührenbelastung. Manches wird sich erst im Generationswechsel ergeben. Auch die rechtlichen Voraussetzungen sind anzupassen. Es wird Geld kosten, für ÖPNV, Radwege, evtl. Tief-oder Quartiersgaragen, aber Staus, Suchverkehr, Unfälle, Luftverschmutzung kosten auch.

Willi Schühlein