Lichtverschmutzung


 

Zu viel Licht in unserem Stadtteil – Wo bleibt die Nacht?

Nach Sonnenuntergang, vielleicht auch früher, schalten wir die Lichter an. Immer länger, immer mehr und auch da, wo gar kein Licht benötigt wird. Sehen wir noch einen Sternenhimmel? Im Stadtgebiet fast gar nicht mehr! Seit dem Siegeszug der LED -Technologie werden unsere Nächte heller und heller, jedes Jahr um 2–6%.

Blick aus dem Weltall auf Europa, Quelle: Internet

Wege, Hauseingänge und Treppen müssen bei Bedarf beleuchtet werden. Aber fernöstliche Billigproduktion verleitet uns zum großzügigen Anstrahlen von Fassaden, Bäumen und Grünflächen mit Solarleuchten, Lichterketten und Deko-Lichtkugeln.

Ist das ein Beitrag zum Umweltschutz? Leider nein. Im Gegenteil: Die stetig zunehmenden Lichtemissionen werden zu einem ernsthaften Umweltproblem, das als Lichtverschmutzung bezeichnet wird. Unter den negativen Auswirkungen leidet das gesamte Ökosystem!

Wir Menschen brauchen den rhythmischen Wechsel von Licht und Dunkel für einen erholsamen Schlaf und unsere Regeneration. Das Schlafhormon Melatonin wird aber erst im Dunkeln vom Körper ausgeschüttet. Der Griff zum Melatonin-Spray oder anderen Mitteln könnte überflüssig werden.

70% aller Insekten sind nachtaktiv! Sie werden magisch von den kaltweißen Lichtquellen angezogen und sterben vor Erschöpfung. Fliegen und Larven sind fester Bestandteil der Nahrung vieler Vögel, gerade bei der Aufzucht der Jungvögel. Keine Insekten = Keine Vögel!  Keine Insekten = Keine Bestäubung!

Nachtaktive Tiere wie Igel, Fledermäuse und Glühwürmchen sind z.B. bei der Nahrungssuche auf die Dunkelheit angewiesen und werden von hellem Licht gestört. Man muss nicht gleich nach Gesetzen oder Verboten rufen. Der mündige Bürger kann für sich selbst entscheiden, ob er Teil des Problems oder der Lösung sein will. Jeder kann mithelfen um die Umwelt in unserem schönen Stadtteil mitzugestalten! Geschäftsinhaber, Hausbesitzer, Mieter, Vorstände von Vereinen – alle sind angesprochen und können etwas tun.

Grafik Carsten Przygoda, Text Matthias Engel
www.sternenpark-schwaebische-alb.de

Fünf goldene Regeln für gute Beleuchtung im Außenbereich:

  1. Ist die Beleuchtung wirklich notwendig?

Kein Licht für Dekoration, kein Licht auf Pflanzen, Naturflächen oder Teiche.

  • Lichtrichtung

Licht sollte abgeschirmt nur nach unten strahlen, nicht nach oben oder zur Seite.

  • Beleuchtungsdauer

Bewegungsmelder oder Zeitschaltuhren sind hilfreich, besser ist abschalten ab 22 Uhr.

  • Geeignetes Leuchtmittel

Die Lampe sollte warmweißes Licht von max. 2700 Kelvin haben (steht auf der Verpackung). Die Lichtstrommenge sollte max. 1000Lumen (=10 Watt) betragen, besser100 Lumen (1-2 Watt).

5. Montagehöhe

Je niedriger, desto besser. Dadurch entstehen weniger Streuverluste und Blendung.

Tipps für den Einkauf von Beleuchtung:

Ab der Dämmerung und nachts sollte im Außenbereich nur gelbliches bis orangefarbenes Licht mit niedrigen Kelvin (K) Werten eingesetzt werden.  Je mehr Blauanteile (kaltweiß) –> desto schlechter!

1700 bis 2200 Kelvin, Lichtfarbe „Amber“ = Geringe Blauanteile, warm, angenehm. (Hauseingang)
2700 bis 3000 Kelvin, angenehm für Außen- und Innenbereiche
4000 bis 5000 Kelvin, deutliche Blauanteile „Neutralweiß“ (Büros, Arbeitsplatz, Küche)

5000 bis 6000 Kelvin, „Kalt- oder Tageslichtweiß“, (OP-Säle, usw). Sollte für Außenbeleuchtung tabu sein!

Wer seine „Glühbirne“ ersetzen möchte, sollte sich noch folgende Werte merken:

Alt: 40 Watt = LED    4 Watt

Alt: 60 Watt = LED    8 Watt

Alt: 75 Watt = LED  10 Watt

Weitere Infos: Rettet die Nacht – BUND Naturschutz in Bayern e.V. (bund-naturschutz.de)

Arbeitskreis „Rettet die Nacht“ beim Bund Naturschutz in Nürnberg

Kontakt: 0911/457606