wer hat denn sowas wieder beschlossen?

Wirklich überraschend?  
 Wer hat denn sowas wieder beschlossen? 

Wo kommt denn dieser Beschluss her? Das hört man öfter, wenn mal wieder in der Zeitung etwas über den Stadtteil steht, wenn Änderungen anstehen oder wenn was Neues kommen soll. Da stellt sich dann immer gleich wieder die Frage: Wer hat denn das wieder geplant oder beschlossen? Hat der OB, der Bürgermeister, die Parteien oder die Verwaltung nichts Anderes zu tun als immer wieder ein neues Projekt anzugehen?
Viele Projekte, vor allem in der Innen- bzw. Altstadt, fallen aber nicht plötzlich vom Himmel, sondern haben manchmal einen recht langen Vorlauf, mit vielen Beteiligten. So auch die „Plätze in der Altstadt“, einschließlich dem Nägeleinsplatz.

Ihren Anfang nahm die Entwicklung mit dem Projekt koopstadt im Jahr 2007, einem Zusammenschluss der Städte Bremen, Leipzig und Nürnberg, mit dem neue Gedanken zur Stadtentwicklung angestoßen werden sollten. Daraus resultierten dann die INtegrierten Stadtteil EntwicklungsKonzepte (INSEK). Über sie hieß es in „Nürnberg lebenswert“ vom September 2014:

 

„Viele Städte entwickeln Leitlinien und integrierte Entwicklungskonzepte aufgrund ihrer übergeordneten Bedeutung auf Ebene der Gesamtstadt und übertragen die Ergebnisse in einem zweiten Schritt auf die Stadtteilebene. Es wird eine Top-Down-Strategie verfolgt. Die Stadt Nürnberg hat sich aufgrund der Vielfalt ihrer Stadtteile für eine Bottom-Up-Strategie entschieden. Die integrierte Stadtentwicklung erfolgt zunächst auf Stadtteilebene, hierfür werden geeignete Schwerpunktbereiche ausgewählt. Auch themenorientierte Ansätze sind möglich, zum Beispiel „Nürnberg am Wasser“. Die Entwicklungsleitlinien werden dann im Rahmen mehrerer „Integrierter Stadtteilentwicklungskonzepte“ (INSEKs) maßgeschneidert für das jeweilige Gebiet oder den Themenschwerpunkt erarbeitet. INSEKs werden bedarfsweise mit fachspezifischen Teilkonzepten (z.B. zur Grün- und Freiraumentwicklung oder zum Thema Wohnen) weiterentwickelt“.

Mancher erinnert sich sicher noch an Veranstaltungen, die damals noch ein recht neues Format darstellten. Sie motivierten auch manchen mehr über sein Umfeld und eventuell notwendige Änderungen nachzudenken. Zum Nägeleinsplatz hieß es schon 2012 in „Altstadt ans Wasser“ unter ‚Potenziale‘:

„Bei Verlagerung des Parkplatzes kann am Nägeleinsplatz eine großzügige Grünfläche entstehen, in der neben der Aufenthalts- und Erholungsfunktion auch Spiel- und Bewegungsangebote integriert werden könnten. Im erhöhten Sitzbereich lässt sich durch Öffnung der Ufermauer der Sichtbezug zum Fluss herstellen. In der Westhälfte besteht die Möglichkeit einen großzügigen Zugang zum Fluss zu schaffen. Dies kann geschehen, indem die flussnahe Uferterrasse als naturnaher Grünraum für die Öffentlichkeit erschlossen wird, oder der gesamte Westteil beispielsweise über eine Treppenanlage neu gestaltet und die vorhandene Raumabfolge aufgelöst wird. Innerhalb der Altstadt handelt es sich hier um die attraktivste Situation am Fluss, mit einem breiten Flusslauf, dem Geräusch des Wassers, die Einbindung in ein historisches Ambiente mit dem Kettensteg und der Lage an der Nahtstelle zwischen Altstadt und der westlichen Vorstadt“

 (aus „Altstadt ans Wasser“, Stadt Nürnberg, Dr.Michael Fraas, Sept.2012).

Es war deshalb zum Abschluss der Bürgerbeteiligung zur Machbarkeitsstudie für den Nägeleinsplatz im Jahr 2018 nicht wirklich überraschend, dass unter Leitung des inzwischen beauftragten Planungsbüros genau diese Aspekte Themen der Diskussion waren und Eingang in die Machbarkeitsstudie fanden.
Auch einzelne Mitglieder der Stadtratsfraktionen hätten kaum überrascht sein dürfen. Waren doch die Entwicklungskonzepte immer wieder Inhalt in den entsprechenden Gremien des Stadtrats, wie auch in Stadtteil-Gremien, wie dem Meinungsträgerkreis. Und selbst der Ablaufplan, was und wie es nach der Bürgerbeteiligung zur ‚Machbarkeitsstudie‘ weitergehen sollte, war schon lange vorher festgelegt. Im Werkausschuss SÖR am 18.10.2017 hieß es im Beschluss: „Der Werkausschuss beschließt die Durchführung einer Machbarkeitsstudie……und legt die Ergebnisse dieser Studie zur Rahmensetzung der weiteren Planungsschritte erneut vor.“ Bis jetzt ist also noch längst nicht alles beschlossen

Auf Bedenken von Anwohnern, die sich im bisherigen Verfahren nicht genug gehört fühlten machte der Vorstand des Bürgervereins Altstadt am 20. Mai 2018 in einem Brief an den Oberbürgermeister Dr. Maly (er ging auch an die Parteien im Nürnberger Stadtrat) gesondert aufmerksam. Sorgen bestehen bezüglich des möglichen Wegfalls von Parkplätzen und der Vergrößerung der Lärmproblematik.

Unterschiedliche Meinungen müssen in Ruhe ausdiskutiert werden. mit einem möglichst fairen Interessenausgleich, z.B. zwischen Grün und Parkplätzen.
Weitere sachliche Diskussionen über notwendige Altstadtgestaltung und ein gemeinsames Handeln in unserem „Stadtteil Altstadt“ werden uns Alle auf jeden Fall weiterbringen.
Mit dem Stadtratsbeschluss zur Umstellung der Parkraumbewirtschaftung in der Altstadt könnten sich nun auch Lösungsmöglichkeiten für das Problem Parken am Nägeleinsplatz auftun.

Susanne Geiger-Schmitt / Klaus Wazansky

die interessanten Broschüren zu diesem Thema gibt es beim Baureferat/Stadtplanung der Stadt Nürnberg und im Internet unter:
https://www.nuernberg.de/internet/stadtplanung/broschueren.html
das INSEK „Nürnberg am Wasser“ gibt es beim Bürgermeisteramt/Stab Stadtentwicklung unter:
https://www.nuernberg.de/internet/stadtentwicklung/integrierte.html